Mittelalter ‒ Burg und Burgbau - wfw-Film

Mittelalter ‒ Burg und Burgbau

Kostenloses Unterrichtsmaterial zum Thema "Burgen, Burgbau und Ruinen"

Tausende von Burgen überzogen einst wie ein dichtes Netz weite Teile Europas. Sie waren wichtige Bestandteile eines Gesellschaftssystems, das wir heute Feudalismus nennen. Der Besitz von Land und die Ausübung der Herrschaft über Land und Leute waren in dieser Zeit prägend.

Vertreter aus dem hohen Adel verliehen Land als "Lehen" an ihre Gefolgsleute, ihre Vasallen, und verpflichteten sie dafür zu Treue und Beistand. Lehnsherren und Vasallen schützten und verteidigten, kontrollierten und verwalteten ihr Land von befestigten Herrschaftssitzen aus. Gleichzeitig war die Burg auch Wohnung des adeligen Herrn, seiner Familie und seiner Knechte und Mägde.

Burgen wurden meist an strategisch wichtigen Orten errichtet. Mit ihrer Hilfe konnten Handelsstraßen, Flussläufe, Furten und Brücken, Dörfer, Städte oder Klöster geschützt, Zoll erhoben oder Gebietsansprüche durchgesetzt werden. Noch heute zeugen zahlreiche imposante Ruinen von der einstigen Bedeutung der Burgen und der Macht ihrer Herren. 

Die folgenden Fotos von Burgen, Ruinen und vom Burgbau sind im Zuge unserer Dreharbeiten zu unserem Schulfilm "Lebendiges Mittelalter ‒ Die neue Burg" entstanden und dürfen im Rahmen einer Creative-Commons-Lizenz heruntergeladen und kostenlos für nichtkommerzielle Zwecke im Bildungsbereich genutzt werden. Alle hier zum Download angebotenen Unterrichtsmaterialien (Bilder, Videos, Arbeitsblätter, Texte usw.) stehen unter folgender Creative-Commons-Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0. Als Quelle bitte immer wfw-Film.de angeben. 

Holzburgen

Viele Burgen des niederen Adels, von denen heute meist kaum mehr etwas zu erkennen ist, waren aber aus Holz gebaut. Oft waren diese Burgen ähnlich aufgebaut: Auf einem aufgeschütteten Erdhügel befand sich ein Turm, der Wohnturm oder auch letzte Zufluchtstätte sein konnte.

Der Turm war von einer Holzpalisade und einem Wassergraben umgeben. Über eine hölzerne Brücke gelangte man in den vorderen Bereich der Burg, wo sich vor allem Wirtschaftsgebäude, Stallungen und Unterkünfte von Knechten und Mägden befanden. Aufgrund ihrer Bauweise spricht man bei solchen Burgen auch von einer "Turmhügelburg" oder einer "Motte".

In unserer didaktischen DVD "Lebendiges Mittelalter ‒ Die neue Burg" ist der niederadelige Ritter Nithart Herr einer solchen Holzburg. Er plant aber den Bau einer neuen Burg aus Stein, um einen wichtigen Flussübergang zu sichern. Dazu benötigt er die Einwilligung seines Lehnsherrn, der das "Burgregal" innehat und somit den Bau erlauben oder verweigern kann. Anhand eines Spielfilms werden so mittelalterliches Leben, Denken und Handeln lebendig.

Burgbau

Im Mittelalter dauerte der Bau von Burgen ‒ insbesondere von Burgen aus Stein ‒ oft Jahrzehnte und war sehr teuer. Die Bauarbeiten wurden von einem Baumeister geplant und überwacht und von qualifizierten Handwerkern ausgeführt. Oft entstand um eine Baustelle herum eine Art Handwerkerdorf. Maurer, Zimmerleute, Mörtelmischer und Steinmetze, oft aber auch Seiler, Schmiede und andere Handwerker arbeiteten in verschiedenen Bauabschnitten auf der Baustelle Hand in Hand. Für die einfachen Arbeiten konnte der Grundherr auch seine Untertanen heranziehen.

Kurz vor der Jahrtausendwende wurde in Frankreich eine einmalige Idee geboren und in die Tat umgesetzt:

Der Aufbau einer kompletten mittelalterlichen Burg ausschließlich mithilfe von Materialien und Techniken aus dem 13. Jahrhundert. Dazu waren eingehende Studien historischer Quellen sowie ähnlicher Burganlagen notwendig.

In Zentralfrankreich wurde mit dem Bau begonnen. Ein ganzes Lager an spezialisierten Handwerkern entstand auf dem Baustellengelände. In täglicher Arbeit vollzogen die Menschen die überlieferten Arbeitsabläufe aus dem Mittelalter nach oder erlernten sie durch praktische Erfahrungen und die zur Verfügung stehenden Mittel neu. Es entstand ein Projekt experimenteller Archäologie mit einem Zeithorizont von mehr als zwei Jahrzehnten: Guédelon.

Die Baustelle in Guédelon ist absolut sehenswert. Arbeiter und Handwerker nehmen sich viel Zeit, um den Besuchern Fragen zu beantworten und die mittelalterlichen Bautechniken zu erklären. Und weil die Bauarbeiten ständig fortschreiten, gibt es auch immer wieder Neues zu entdecken, so dass selbst mehrfache Besuche zu einem echten Mittelalter-Erlebnis werden.

Bereits 2003 besuchte Andreas Wünsch von wfw-Film die Baustelle und arbeitete bei einem weiteren Besuch selbst für rund zwei Wochen auf der Baustelle mit. Daraus entstand die Idee, einen Lehrfilm zum Thema Burg und Burgbau zu erstellen. In den Folgejahren entstand in Zusammenarbeit mit Mittelaltergruppen, Historikern, professionellen Schauspielern ‒ und natürlich mit Guédelon ‒ unsere didaktische DVD "Lebendiges Mittelalter ‒ Die neue Burg".

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